Carl Schuchs Biographie birgt den Stoff, aus dem Hollywood schöpft: Wien im Walzertraum und mittendrin Schuchs Vater, der als gewitzter Gastronom ein Vermögen scheffelt. Die Schattenseite der Metropole – mangelnde Hygiene, Schwindsucht und andere Seuchen – bekommt die Familie hautnah zu spüren: Schuchs Mutter stirbt bald nach seiner Geburt, der Vater wenig später; die einzige Tante nimmt den Knaben und seine zwei Jahre ältere Schwester zu sich. Deren Tod – auch sie wie die Eltern ein Opfer der Tuberkulose – beendet das behütete Heranwachsen am Rande des Praters abrupt. Der Schmerz um den Verlust treibt ihn in die Ferne, gen Süden, nach Sizilien, Neapel, Rom, weiter nach München, Paris, Brüssel, Venedig – in wüste Ausschweifung und unentrinnbare Krankheit, der er trotzt, da er seine Berufung in der Malerei gefunden hat. Doch die Krankheit entwindet ihm den Pinsel. Die letzten Jahre seines Lebens siecht er dahin in der Obhut einer lebenslustigen Gattin, die nach Ablauf des Trauerjahrs prompt den Spitalangestellten ehelicht, der über Schuchs Wohlergehen zu wachen hatte. So zumindest will es die Legende.

Selbstbildnis
München, 1876
Österreichische Galerie
Belvedere, Wien

Man kann Schuchs Vita auch ganz nüchtern betrachten: 1846 in Wien geboren, schrieb er sich 1865 an der Kunstakademie ein, brach das reguläre Studium aber schon nach zwei Jahren ab, um Privatunterricht zu nehmen. Nach dem Tod der Schwester im Sommer 1869 begann er kreuz und quer durch Europa zu streifen, ehe er sich im Herbst 1876 in Venedig niederließ. 1882 übersiedelte er nach Paris. Gezeichnet von der Syphilis, die wohl schon 1880 diagnostiziert worden war, und kaum noch arbeitsfähig zog er sich 1894 nach Wien zurück. Nach fünfjährigem Aufenthalt in Irrenanstalten starb Schuch dort 1903 im Alter von 57 Jahren.